Montag, 14. Januar 2008

Die besten Konzerte 2007

1. Sonic Youth im Schlachthof Wiesbaden:

Fast mehr als zehn Jahre, nachdem ich mir mein erstes Sonic Youth Album zugelegt habe, endlich die Gelegenheit, eine der Götterbands meiner Teenagerjahre, die ich immer noch genauso klasse finde wie damals, live zu sehen. Überraschend, was für ein langer Lulatsch Thurston Moore ist und dass sich im Publikum Männer finden, die keine Hemmungen haben, ihre nackten verschwitzten Oberkörper beim „Tanzen“ an so viele Umstehende wie nur möglich zu reiben, während eine der coolsten Bands aller Zeiten hauptsächlich Songs von Daydream Nation und Rather Ripped spielt.



2. LCD Soundsystem in der Alten Feuerwache Mannheim:

Kaum zu glauben, dass bei James Murphys phänomenalem Mutant-disco-electro-dance-punk die Alte Feuerwache nicht aus allen Nähten platzt, zumal es sich um das einzige Deutschland Konzert in der zweiten Jahreshälfte 2007 handelt. Herr Murphy verausgabt sich gänzlich trotz Krankheit und eine Band mit einem hohlkreuzigen Drummer mit Hippievollbart, der wie ein Roboter spielt, kann nur gewinnen. Zum Schluss noch ein Joy Division Cover - No Love Lost - und alles ist super.



3. Cat Power im Karlstorbahnhof Heidelberg:

Chan Marshall wankt betrunken mit den Haaren im Gesicht auf die Bühne und bricht das Konzert nach drei Liedern ab – auf ein solches Szenario hatte ich mich ja eingestellt, bis eine apart gekleidete, mit streng zurückgenommenen Haaren und vor allem fast gut gelaunte Katzekraft auf die Bühne kommt, um ausschließlich Songs von The Greatest und Coverversionen zu spielen. Sehr bluesig und – ja, man muss wohl sagen: leider – meilenweit von Lieblingsliedern wie Metal Heart oder He War entfernt, aber einer der besten Vokalistinnen überhaupt kann man es auch verzeihen, auf die wenig originelle Idee zu kommen, I can’t get no satisfaction zu covern. So sympathisch wie ich CP an diesem Abend finde, will ich gar nicht in die Verlegenheit kommen, sie einmal kennen zu lernen, um mein an diesem Abend gewonnenes Idealbild nicht durch die Konfrontation mit der Wirklichkeit zu gefährden.



4. Animal Collective im Karlstorbahnhof Heidelberg:

Noch nie gehörte Musik, immer anders, wahnwitzig, wahre Künstler und genau richtig, um einen gewissen Distinktionsvorsprung zu gewinnen, nachdem Indierock das neue Ballermann ist (siehe Intro-Forum) und demnächst wohl selbst Joy Division von der Masse in Beschlag genommen werden wird. Da fällt mir ein: Liebe Veranstalter, wir Freunde schwer kategorisierbarer Musik wären ganz aus dem Häuschen, wenn Ihr Xiu Xiu, Black Dice und Gang Gang Dance buchen würdet! Außerdem noch Autechre, denn DAS wird ja mal wirklich Zeit!



5. The Weakerthans im Karlstorbahnhof Heidelberg:

Klingen zwar seit vier Alben exakt gleich, aber trotzdem wird’s einem immer wieder warm ums Herz, auch wenn man sich vorgenommen hat, endlich damit aufzuhören, Musik aus rein emotionalen Gründen zu mögen, schließlich ist die Pubertät ja schon ein Weilchen her, aber die Fassade der Abgebrühtheit fängt von Zeit zu Zeit dann doch an zu bröckeln, und wer beim Hören, wie die arme Katze Virtute nicht mehr nach hause findet, nicht einmal ein bisschen traurig wird, verkauft auch des eigenen Kindes Niere (sollte man eins haben), um den Bier- und Schnapsvorrat für die nächsten Monate zu sichern.

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