Freitag, 11. April 2008

Portishead, London 10.04.2008

Hammersmith Apollo

Portishead sind wohl für etwa 1 ½ Generationen eine der Konsensband überhaupt – jedenfalls für den Teil davon, der sich nicht der Peinlichkeit hingibt, bei melancholischer Musik mit Äußerungen wie: „mach doch mal die Selbstmordmusik aus“ seinen absoluten Mangel an Feingeistigkeit darzutun. Außerdem veröffentlichten Portishead keine vor Ideenlosigkeit strotzenden Rohrkrepiereralben, die einem die Begeisterung an der Band ordentlich vergällt hätten (gell, Smashing Pumpkins?), so dass bereits die Ankündigung eines neuen Albums, 10 Jahre nach dem Zweitwerk, Endorphinschübe ungeahnten Ausmaßes auslösen konnte, angesichts des bevorstehenden Schwelgens in samtiger Tristesse Royal, in der wir rotweininunshineinschüttenden Schwermutwracks uns so schreckliche gerne ergehen.

10 Jahre ist es auch her, dass Portishead ihr letztes Konzert in London gegeben haben, was ein ausverkauftes Haus erwarten ließ, zumal Portisheads Musik eine Zeitlang von diversen Cafés und Bars immer wieder als Hintergrundgedudel verwendet wurde, um Geschmack und Stil vorzutäuschen, wodurch ihr Bekanntheitsgrad wohl noch um eine Ecke gesteigert wurde.

Nach ein paar Minuten des Rumhängens vor dem Apollo, in der Hoffnung, jemand möge eine Karte zu einem moderaten Preis verkaufen, bekam ich vor einer sehr netten jungen Frau eine überzählige Karte geschenkt, unter der Auflage, dass ich das Konzert wirklich sehen möchte und die Karte nicht weiterverkaufe. An dieser Stelle nochmals Danke dafür, wenn sie das hier wohl auch nicht lesen wird bzw. kann.

Leider hatten Portishead zu diesem Zeitpunkt schon zu spielen angefangen, so dass ich den Support A Hawk And A Hacksaw und Portisheads Opener Silence verpasste und von Hunter lediglich die letzten paar Töne zu hören bekam. Nach eiligem Vordrängeln war es aber trotz der etwa 5000 Zuschauer möglich, einen perfekten Blick auf die Bühne zu erhalten und das ziemlich schöne Apollo Theater genauer zu begutachten. Wie auch die Brixton Academy oder das Shepherds Bush Empire, wurde das Apollo in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Art Deco Stil erbaut und bietet einen besonders erhabenen und exklusiven Rahmen, der von Portisheads majestätischer Musik anmutig ausgefüllt werden sollte.

Das erste vollständige Lied, dass ich dann mitbekam, war Mysterons vom Debut Dummy, das mir sogleich einen wohligen Schauer durch den Körper spülte. Beth Gibbons erwies sich mit ihrer paradoxerweise sowohl zerbrechlichen als auch durchsetzungsfähigen Stimme als ätherische Erscheinung, die man eigentlich nur ehrfurchtsvoll bewundern kann. Ein Zuschauer hinter mir beließ es allerdings nicht bei der passiven Bewunderung, sondern sang in der Originaltonlage mit, was ich zunächst für ein Echo von der Rückwand hielt. Erst bei Glory Box wurde mir klar, dass dieser 2,10 m Kerl seine Textsicherheit zu demonstrieren suchte und sich sogar dazu genötigt sah, dass Gitarrensolo inklusive Wah-Wah-Phrasierung Ton für Ton mitzusingen (aua), wenig später aber glücklicherweise aus meiner Hörweite verschwand.

Die Band war, wie auch zu erwarten, nicht mit kleinem Orchester auf der Bühne, sondern in der Minimalbesetzung Gitarre, Bass, Drums, Decks, Keyboards, wobei Geoff Barrow bei einigen Stücken die Decks durch ein zweites Schlagzeug eintauschte. Hinter der Band wurden auf drei Leinwänden die Bilder von den auf der Bühne aufgestellten Kameras projeziert, die einem Blick auf u.a. Adrian Utleys Füße beim Bedienen der Effektpedale und Beth Gibbons in Großaufnahme gewährten. Nach Mysterons verließen Portishead für einige Minuten die Bühne, da es offenbar Probleme mit den Decks gab, was an die Artikel über das Exklusivkonzert in Berlin denken ließ, wo es ja auch zu einigen Unterbrechungen kam, jedoch blieb es an diesem Abend die einzige. Beim darauffolgenden folkigen The Rip vom neuen Album Third erstrahlte die Bühne in weißem, unverfälschtem Licht, das einem einen geradezu antiseptischen Blick auf das Geschehen gewährte, um dann aber bei späteren Stücken vorzugsweise in Blau oder Rot getaucht zu sein. Doch auch beim Verzicht auf jegliche stimmungslenkende Beleuchtung wäre das Publikum ganz aus dem Häuschen gewesen. Selten erlebt man dermaßen euphorische Reaktionen – jedes Lied wurde mit frenetischem Beifall quittiert und auch in den Stücken selbst wurden Breaks oder Aufgänge bejubelt, leider aber auch die ganz ruhigen Passagen, die man mit Fressehalten viel schöner hätte genießen können.

Ganz besonders gelungen war außerdem der Gesamtsound. Ich habe ernsthaft noch nie einen so klaren Klang erlebt, der trotzdem nicht zu leise war, immerhin war der Bass laut genug, um ein angenehmes Grummeln in der Magengegend zu erzeugen und die Fußsohlen vibrieren zu lassen.

Die Hälfte des Sets bestand aus dem noch erscheinenden neuen Album, wobei ein besonderer Favorit gar nicht ausgemacht werden kann. Soundmäßig am auffallensten war Machine Gun mit seinem aggressiven, monotonen Beat, der von Geoff Barrow live per MIDI getriggert wurde. Jedoch entbehren auch die restlichen aktuellen Songs jeglicher Kaffeehausatmosphäre, die früheren Stücken zumindest teilweise anhaftete. Eher handelt es sich um einen spröden, aber dennoch anziehenden Charakter (Nylon Smile) und noch dichtere Dunkelheit (Threads). Was die Arrangements angeht, blieben Portishead weitgehend bei den Studiofassungen, nur Beth Gibbons beeindruckendes Vibrato in Wandering Star wurde lediglich mit Gitarre und Bass untermalt.

Das letzte Lied der einzigen Zugabe war schließlich We Carry On, das mit seinem merkwürdigen 4/4 Groove trip hoppigen Grundformen entgültig eine Absage erteilt und das Publikum zum Abschluss in einen unentrinnbaren Sog zog. Beim vorhergehenden Roads ließ es sich Beth Gibbons, die offenbar das Rauchen aufgegeben hat – man sah sie jedenfalls nicht eine nach der anderen wegquarzen, wie ich es erwartet hätte – im instrumentalen Zwischenteil übrigens nicht nehmen, Teile des Publikums in der vorderen Reihe zu umarmen und damit ihre oben erwähnte unwirkliche Erscheinung rein aufs Musikalische zu beschränken.

Trotz oder vielleicht gerade wegen des fast eineinhalbstündigen Eintauchens in die weite Welt der Traurigkeit, schienen alle Konzertbesucher beim Verlassen des Apollos überglücklich und begeistert gewesen zu sein, aber das ist etwas, was die Gute-Laune-Terroristen wohl nie werden nachvollziehen können.



Setlist:

1. Silence
2. Hunter
3. Mysterons
4. The Rip
5. Glory Box
6. Numb
7. Magic Doors
8. Wandering Star
9. Machine Gun
10. Over
11. Sour Times
12. Nylon Smile
13. Cowboys

Zugabe:
14. Threads
15. Roads
15. we carry on

Dienstag, 4. März 2008

Bratze, Heidelberg 29.02.2008

Zum Teufel


Eins gleich einmal vorweg: Wow, was für ein Abend! Was das Duo Bratze, bestehend aus ClickClickDecker und Der Tante Renate, an diesem Abend ablieferte, gehört zu dem Besten, was ich bislang an Gigs elektronischer Liveacts gesehen habe. Eine derart unter die Haut gehende Kombination aus Punkrockschweiß und Technoekstase gab es vielleicht in ähnlicher Form bei Atari Teenage Riot zu erleben, aber deren aufgesetzten Anarchie- und Revolutionsduktus, konnte man irgendwie nie wirklich für voll nehmen und außerdem sind Bratze viel sympathischer als Alec Empire.
Aber jetzt auf Anfang. Der Teufel in Heidelberg wird offenbar sonst als Kneipe genutzt, allerdings war der längliche Raum an diesem Abend aller Tische und Sitzgelegenheiten entledigt, um genügend Platz für das zahlreiche Publikum zu schaffen. Das Konzept „Teufel/Hölle“ wird mit vielen Totenköpfen und magmafarbenen Wänden konsequent umgesetzt, aber irgendwie brachte mich das – auch angesichts eines etwas fantasymäßigen Wandbildes – dazu, bis zum Konzertbeginn immer wieder daran zu denken, dass es hier aussieht, wie in einem prototypischen Rollenspielertreff (das mit Würfeln und Drachen).

Gegen beinahe 23.00 betraten Juri Gagarin die Bühne, bei denen es sich ebenfalls um ein Duo handelt und von denen wohl einer von beiden stilecht Russe ist. Da durfte natürlich eine russische Militärmännerchorhymne zur Lobpreisung des Sozialismus´, oder was auch immer üblicherweise Thema dieses Genres ist, als Intro nicht fehlen. Beim Hören von Juri Gagarins Musik in einem Podcast war ich zuvor nicht allzu sehr angetan und fühlte mich nicht wenig an C64 Computerspielmusik erinnert. Live rannten vor meinem geistigen Auge dann aber doch nicht grobgepixelte 8-bit Männchen um die Wette, stattdessen spielte sich in vorsichtigen Ansätzen ein 80er getränkter Breitwandrave in Neon ab, der aber immer dann einriss, wenn die Melodien ins Infantile abschmierten oder sich die Sounds zu sehr Casiokeyboardakkordeonpresets annäherten. Das Set von den dem Wodka auf der Bühne zugeneigten Juri Gagarin stimmte jedenfalls sehr schön auf das noch Kommende ein und nährte angesichts der Übertreffung meiner Erwartungen die Hoffnung auf Großartiges.

Mit einem Laptop, Keyboard, Groovebox, diversen Effekten und einer elektrischen Gitarre schickten sich dann Bratze an, zu zeigen, dass sie ihre eigene Norm sind.
Schon allein aufgrund des Neurosis Aufklebers auf ClickClickDeckers 303 konnte man erahnen, was für einen Bogen Bratze spannen werden. Nicht, dass sich in Bratzes Musik wirklich Neurosis´ Hardcorebrachialität wiederfinden würde, aber die beiden zeigen doch, was für einen Weg man trotz oder vielleicht auch gerade wegen einer Indie-/Punk-/Hardcoresozialisation gehen kann, die Bratze hiermit ohne weitere Belege unterstellt sein möge. Auf keinen Fall darf jetzt aber der Schluss gezogen werden, dass jemand, der das Technoproduktionswerkzeug überhaupt mit Aufklebern von Relapse Bands verziert, schlimmes Rock-Techno Crossovergedöns, wie beispielsweise Apollo 440 fabriziert. Bei Bratze fließt alles nicht nur ganz natürlich, sondern geradezu zwingend zusammen und wenn eine Zerrgitarre auf four-to-the-floor Beats trifft, dann ist das keine geschmacklose Anbiederung an vermeintlich Modernes, sondern muss hier so sein.
ClickClickDecker, der passend zu Bratzes lyrischer Aussage, man sei die neue Unterschicht, die allen Reformen die Beine bricht, im Assi-Chic, namentlich einer Adidas Jogginghose antrat, wechselte sich beim Gitarrespielen mit Der Tante Renate ab und übernahm den insistierenden, hingebungsvollen und fordernden Gesang und obwohl Bratze sicher humorvoll sind, gab es hier sowohl musikalisch als auch was das Auftreten angeht, rein gar nichts Komikerhaftes zu vernehmen, sondern vielmehr eine Ernsthaftigkeit, die Spaß haben will, aber echt jetzt!
Dem Publikum im fast brechend gefüllten Teufel war der Spaß jedenfalls anzusehen. Das studentische Jungvolk, halb trunken vom Alkohol, halb trunken von der Musik im Grenzbereich zwischen Song und Track, ravte und pogte durch Nebelschwaden und Stroboskopgewitter, dass man bei ausgeschalteter Musik nicht hätte sicher sein können, ob es sich um eine Szene im SO36 oder der Panorama Bar handelte (gut, den Raum selbst hätte man sich auch noch wegdenken müssen).
Bratzes kickende Beats, knarzende Synthies und die beides umschlingende Gitarre, die alle zusammen immer wieder „Kraft, Kraft, Kraft“ sagen, reichen aus, um für etwas mehr als eine Stunde hinter den Clubtüren eine Welt ohne Dummsprech, schlimme Musik und falsche Haltungen entstehen zu lassen. Bratze, immer wieder gerne und verdient haben sie Größeres, auch wenn man so etwas Großartiges viel lieber für sich im kleinen Rahmen behalten möchte.

Montag, 21. Januar 2008

Immaculate Machine, Mannheim 20.01.2008

Alte Feuerwache


Nonchalant spät auf Konzerte zu kommen ist beinahe eine eigene Kunst. Einerseits möchte man nicht länger als 5 Minuten auf den ersten Ton warten müssen, nachdem man sich eventuell ein Bier oder eine Cola (keine Plörre aka Bionade) besorgt und sich durch das restliche Publikum gedrängt hat, um durch die Erlangung des bestmöglichen Blicks auf die Bühne des Konzerts auch visuell teilhaftig zu werden, und zwar idealerweise ohne kleineren Mädchen den eigenen Rücken vor deren Sichtfeld zu schieben, andererseits möchte man nicht so spät kommen, dass man auch nur den Beginn des Konzerts verpasst. Angesichts all der vielen unsicheren Faktoren, die auf den Konzertbeginn von Einfluss sind, ist das Eintreffen genau zum richtigen Zeitpunkt maßgeblich der eigenen Intuition geschuldet, wobei ein gewisses Maß an Erfahrung und Kenntnis über der Gepflogenheiten der jeweiligen Lokalität eine nicht zu unterschätzende Grundlage für das Bilden der Ahnung, wann aufzubrechen ist, darstellen.
Meinem dramatisch zu späten Eintreffen auf das Konzert von Immaculate Machine könnte entnommen werden, dass ich diese Kunst nicht im Ansatz zu beherrschen vermag, schließlich war die Aufführung schon im vollen Gange als ich ankam. Ich jedoch weiß, dass es mich im Innern schon wesentlich früher in die Alte Feuerwache drängte und lediglich äußere Umstände mich an meinem rechtzeitigen Aufbruch hinderten.
Die Band spielte nicht im großen Saal der Feuerwache, sondern im angrenzenden Café, wobei aber kein Eintritt verlangt wurde, was den Damen und Herren von der brandherd Reihe, die einen u.a. auch schon mit Dufus zu beglücken wussten, als ganz besonders charmant anzurechnen ist. Weniger erquicklich war allerdings der, infolge des für das Café doch sehr starken Publikumsandrangs, unzureichende Blick auf die Bühne. Genau genommen bekam ich nur ein Drittel der eine Frau und zwei Männer starken Band zu Gesicht, da der Rest für mich uneinsehbar hinter einem Wandvorsprung verschwand. Ausgeglichen wurde das Zusammenkommen all dieser misslichen Umstände indes durch einen Wohlklang, der sich trotz aller Süße über ausreichend Bissfestigkeit auszeichnete und in dem ein angemessenes Maß an Schwermut als Kontrapunkt das Gleichgewicht sicherte. Um über solche nur leidlich einfallsreichen synästhetischen Umschreibungen hinwegzukommen sollen die harten Fakten zu Immaculate Machine zur Sprache kommen: Das Trio, bestehend aus Kathryn Calder – Keyboard und Gesang –, Brooke Galupe und Luke Kozlowski – Gitarre, Gesang und Schlagzeug – kommt aus Kanada und die Bezeichnung Indiepop wäre für ihre Musik wohl nicht die fernliegenste. Teilweise erinnerten sie mich ein wenig an Metric, allerdings ist bei Immaculate Machine bei vielen Stücken ein deutlicher Garage-Einschlag zu hören. Bei dem Intro eines Stückes dachte ich, jetzt komme ein Cover von Last Night, nur um dann mit einem Beach Boys Zitat konfrontiert zu werden, was wohl überraschend gewesen wäre, hätte Kathryn Calder nicht den Song damit angekündigt, dass sie große Beach Boys Fans seien. Im weiteren Verlauf musste ich an The Anniversary denken, da Fr. Calders Gesang in leichter Wehmut und Dringlichkeit doch dem von Adrianne Verhoeven nahe steht. Zugegebenermaßen bin ich nicht allzu gut mit den Studioaufnahmen von Immaculate Machine vertraut, live dominiert aber doch eine gewisse Holprigkeit, was sich aber nicht wirklich qualitätsmindernd, sondern eher sympathiesteigernd auswirkt und den Garagefaktor erhöht. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass sich der – für mich unsichtbare – Drummer mit der Lautstärke angesichts der Nähe des Publikums und der Größe des Raumes zurückhielt, ein weiterer Minuspunkt für das Café, aber ein Grund mehr, sich die Band noch einmal in nicht ganz so beengtem Rahmen anzuschauen. Nach etwa 1 ¼ Stunden Spielzeit coverte die Band Time of the Season, um sich dann dem Merchandise-Verkauf von der Bühne aus zu widmen.

Montag, 14. Januar 2008

Die besten Konzerte 2007

1. Sonic Youth im Schlachthof Wiesbaden:

Fast mehr als zehn Jahre, nachdem ich mir mein erstes Sonic Youth Album zugelegt habe, endlich die Gelegenheit, eine der Götterbands meiner Teenagerjahre, die ich immer noch genauso klasse finde wie damals, live zu sehen. Überraschend, was für ein langer Lulatsch Thurston Moore ist und dass sich im Publikum Männer finden, die keine Hemmungen haben, ihre nackten verschwitzten Oberkörper beim „Tanzen“ an so viele Umstehende wie nur möglich zu reiben, während eine der coolsten Bands aller Zeiten hauptsächlich Songs von Daydream Nation und Rather Ripped spielt.



2. LCD Soundsystem in der Alten Feuerwache Mannheim:

Kaum zu glauben, dass bei James Murphys phänomenalem Mutant-disco-electro-dance-punk die Alte Feuerwache nicht aus allen Nähten platzt, zumal es sich um das einzige Deutschland Konzert in der zweiten Jahreshälfte 2007 handelt. Herr Murphy verausgabt sich gänzlich trotz Krankheit und eine Band mit einem hohlkreuzigen Drummer mit Hippievollbart, der wie ein Roboter spielt, kann nur gewinnen. Zum Schluss noch ein Joy Division Cover - No Love Lost - und alles ist super.



3. Cat Power im Karlstorbahnhof Heidelberg:

Chan Marshall wankt betrunken mit den Haaren im Gesicht auf die Bühne und bricht das Konzert nach drei Liedern ab – auf ein solches Szenario hatte ich mich ja eingestellt, bis eine apart gekleidete, mit streng zurückgenommenen Haaren und vor allem fast gut gelaunte Katzekraft auf die Bühne kommt, um ausschließlich Songs von The Greatest und Coverversionen zu spielen. Sehr bluesig und – ja, man muss wohl sagen: leider – meilenweit von Lieblingsliedern wie Metal Heart oder He War entfernt, aber einer der besten Vokalistinnen überhaupt kann man es auch verzeihen, auf die wenig originelle Idee zu kommen, I can’t get no satisfaction zu covern. So sympathisch wie ich CP an diesem Abend finde, will ich gar nicht in die Verlegenheit kommen, sie einmal kennen zu lernen, um mein an diesem Abend gewonnenes Idealbild nicht durch die Konfrontation mit der Wirklichkeit zu gefährden.



4. Animal Collective im Karlstorbahnhof Heidelberg:

Noch nie gehörte Musik, immer anders, wahnwitzig, wahre Künstler und genau richtig, um einen gewissen Distinktionsvorsprung zu gewinnen, nachdem Indierock das neue Ballermann ist (siehe Intro-Forum) und demnächst wohl selbst Joy Division von der Masse in Beschlag genommen werden wird. Da fällt mir ein: Liebe Veranstalter, wir Freunde schwer kategorisierbarer Musik wären ganz aus dem Häuschen, wenn Ihr Xiu Xiu, Black Dice und Gang Gang Dance buchen würdet! Außerdem noch Autechre, denn DAS wird ja mal wirklich Zeit!



5. The Weakerthans im Karlstorbahnhof Heidelberg:

Klingen zwar seit vier Alben exakt gleich, aber trotzdem wird’s einem immer wieder warm ums Herz, auch wenn man sich vorgenommen hat, endlich damit aufzuhören, Musik aus rein emotionalen Gründen zu mögen, schließlich ist die Pubertät ja schon ein Weilchen her, aber die Fassade der Abgebrühtheit fängt von Zeit zu Zeit dann doch an zu bröckeln, und wer beim Hören, wie die arme Katze Virtute nicht mehr nach hause findet, nicht einmal ein bisschen traurig wird, verkauft auch des eigenen Kindes Niere (sollte man eins haben), um den Bier- und Schnapsvorrat für die nächsten Monate zu sichern.