Montag, 24. September 2007

Caribou, Heidelberg 22.09.2007

Caribou, City Slang Mini Festival 2. Tag

Karlstorbahnhof


Der zweite Tag des City Slang Mini Festivals fand im Saal des Karlstorbahnhofs statt und was von der Besuchermenge her im klub k als voll zu bezeichnen wäre, reichte an diesem Abend nur für lichte Reihen aus. Eine Vorgruppe fehlte, Caribou legten direkt mit einem ungestümen Trommelgewitter los, das das ganze Konzert prägen sollte.

Der Bühnenaufbau war recht unkonventionell: Vorne am Bühnenrand standen sich zwei Schlagzeuge gegenüber, von denen Dan Snaith alias Caribou eines bearbeitete, links und rechts dahinter ein äußerst britpoppiger Bassist, stilecht mit Paul McCartney Cellobass und knappem Schälchen ausgestattet und ein nerdiger Gitarrist mit tellergroßen Brillengläsern auf der Nase und die Halbakustische pflichttreu auf Gitarrenlehrerhöhe hängend. Vervollständigt wurde das Ganze von einem Hauptschlagzeuger, da Dan Snaith neben dem Schlagzeug auch Gitarre, Keyboard und Melodica spielte und gelegentlich sang. Oft das meiste davon im Wechsel innerhalb eines Songs.

Die zahlreichen Spuren an Streichern, Bläsern, Flöten und sonstigen schwer zu definierenden Klangschichten kamen, wie zu erwarten, aus der Konserve, wobei ich im Vorfeld damit gerechnet hätte, dass Dan Snaith ein Four Tet mäßiges Laptop Set, nur eben mit Gesang, abliefern würde, immerhin war ja schon beim Album „The Milk Of Human Kindness“ eine gewisse Nähe zu Kieran Hebdens Folktronica herauszuhören und außerdem bastelte er das aktuelle Album „Andorra“ ja auch alleine am Rechner zusammen. Bei einer Band gibt’s jedenfalls mehr zu sehen und nebenbei bemerkt drängt sich bei Laptop Musikern, die ihre Arbeitsweise auf der Bühne nicht einmal im Ansatz offenbaren wollen, ohnehin der Verdacht auf, dass sie lediglich bei iTunes auf Play drücken und ihr beschäftigter Gesichtsausdruck vom Solitärspielen kommt.

Wie bereits oben angedeutet, stand bei einem wesentlichen Teil der Songs das expressionistische Spiel der beiden Schlagzeuge und die dadurch ermöglichte rhythmische Komplexität im Vordergrund, wodurch sich ein kleiner, aber schwer zu übersehender, Teil des Publikums zu ebenso expressionistischen Tanzweisen veranlasst sah.

Der ausladende Psychedeliksound, der von abstrakten Videoprojektionen in allerlei warmen Farbtönen untermalt wurde, strapazierte auf Dauer allerdings nicht wenig die Ohren, wodurch man die leiseren Stellen aber nur umso mehr zu würdigen wusste. Überhaupt konnte man sich nicht nur aufgrund der hippiesken Wall of Sound zurecht an Manitoba erinnert fühlen, zum einen weil Dan Snaith vor Caribou unter diesem Moniker Platten veröffentlichte, zum anderen, weil beispielsweise das zweite Lied des Sets „Skunks“ von Manitobas „Up In Flames“ war. Zum Schluss wurden die Ohren dann aber doch noch mit angenehmen Xylophon- und Glöckchensounds versöhnt und Caribou entließen das Publikum in die Vornacht eines sonnendurchfluteten Tages, auf den das Konzert perfekt einstimmte.

Samstag, 22. September 2007

Menomena, Heidelberg 21.09.2007

Menomena City Slang Mini Festival 1. Tag
Karlstorbahnhof
klub k



Menomena, die auf Platte klingen, als wäre ihre Musik auf der Bühne nur mit mindestens fünf Leuten adäquat umzusetzen, geben ihre Konzerte tatsächlich nur zu dritt. Der klub k im Karlstorbahnhof, der, soweit die Wegweiser vertrauenswürdig sind, sonst als Restaurant genutzt wird, ist ordentlich gefüllt und wenn man nicht gerade in der ersten Reihe steht, dürfte es mangels jeglicher Bühne bei all den „tall Germans“ schwierig sein, mitzubekommen, wie die Band aus Portland, Oregon es doch schafft, die nicht gerade minimalistischen Arrangements ohne wesentliche Abstriche live zu realisieren. Der schön knarzige Bass in Stücken wie „Weird“ kommt da von einem Bassfußpedal, wie man es von Heimorgeln kennt, zugleich werden im Wechsel Gitarre, Bass und Baritonsaxophon bedient, während alle drei singen.
Eine Vorgruppe gibt es nicht, da aber der Konzertbeginn fast eine Stunde nach hinten verschoben wurde, ist eine Einstimmung entbehrlich, schließlich ist man angesichts des tollen aktuellen Albums „Friend And Foe“ auch so schon gespannt wie ein Flitzebogen und entsprechend aufmerksam. Von eben jenem Album stammen dann bis auf wenige Ausnahmen die meisten Stücke. Die unerwarteten Brüche und Wechsel, die neben dem wahrhaft ausschweifenden Melodienreichtum die Platte so groß machen, wollen live, um ihre volle Wirkung entfalten zu können, entsprechend tight umgesetzt werden, aber das verhauen Menomena leider gelegentlich. Als irgendwann die Entschuldigung „sorry, but we´re so stoned rightnow“ kommt, ist klar warum, aber die Patzer hier und da schaffen es trotzdem nicht die Freude beim Zuhören und -sehen wirklich zu beeinträchtigen. Nebenbei wird damit wirksam der Angst vor dem Progmonster begegnet.
Eine Zugabe gibt es nicht, was aber vielleicht auf das Fehlen eines Backstageraumes zurückzuführen ist, durch den ja regelmäßig die Klischeehaftigkeit des Zugabespielchens durch die Suggestion zu kaschieren versucht wird, die Damen und Herren Musiker müssten sich ein Weilchen in ein Refugium zurückziehen, bevor sie die Strapazen der Darbietung eines weiteren Liedes über sich ergehen lassen können.
Insgesamt ein schöner Abend, auch weil man nicht alle Tage bei kaum einem Meter Abstand die Musik dargeboten bekommt, mit der man seit Wochen auf den Kopfhörern durch die Stadt läuft und die seitdem immer mehr wächst.



PS: Ein Wörtchen zu „Boyscout'N“ fehlt noch. Anfangs musste ich den Track immer weiterskippen. Grund war das Gepfeife, was ja so ziemlich die uncoolste musikalische Ausdrucksform ist, die es gibt. Vom Gegenteil konnte mich bislang auch nicht das Pfeifen von Ian MacKaye, von dem üblicherweise kein Bullshit zu erwarten ist, auf dem ersten The Evens Album überzeugen. Irgendwann schaffte ich es doch Boyscout'N anzuhören und schloss es immer fester in mein Herz. Entsprechend groß war die Vorfreude, das erste Mal jemanden live pfeifen zu hören, und es nicht wie üblich total ätzend zu finden. Auf der Bühne pfeifen Menomena aber gar nicht, sondern spielen das auf dem Keyboard nach. Was für eine Enttäuschung!